Herzlich willkommen...

Herzlich willkommen !

Ich habe nie aufgehört, Kinderbücher zu lesen. Ich las sie als Kind und  als Mutter. Als ich Oma wurde und mehr Zeit für mich hatte, versuchte ich mich an einem eigenen Kinderbuch: "Lisa und Isabella auf der Dracheninsel". Das Schreiben und Illustrieren ist zu meiner Lieblingsbeschäftigung geworden. Es entführt mich in eine Welt, in der alles möglich ist.

Menschen und Bücher haben vieles gemeinsam. Manche täuschen dich mit dem Umschlag und manche überraschen dich mit dem Inhalt. In diesem Sinne: "Viel Spaß auf meiner Website"


Der Silvestertraum                                           

 

Leise fällt Schnee in einer kalten Winternacht. Der Mond scheint durch das  kleine schräge Fenster im Dach.  Er

 

leuchtet auf eine alte Truhe und auf ein abgenutztes Kaspertheater. Diese sind hier oben auf dem Dachboden vor langer Zeit abgestellt worden. Alte Möbel, Kisten und Kartons lagern  ringsum, gespenstisch in den dunklen Ecken. Es ist staubig, kalt und ganz still. Plötzlich öffnet sich langsam und laut knarrend der Truhendeckel, nur einen Spalt breit.

 

 „Was genug ist, ist genug! Hilf mir doch und nimm endlich deinen Fuß aus meiner Nase“ schimpft der kleine Holzkasper Seppl mit der roten Zipfelmütze. Die hübsche, in die Jahre gekommene Prinzessin Zeraphina ist auf seine Schultern geklettert und versucht gerade den Deckel der großen alten Spielzeugtruhe zu öffnen. „Jetzt sei nicht so brummig, ich mache hier die schwerste Arbeit“, säuselt sie und rückt genervt ihre Krone zurecht. Endlich schnellt der Truhendeckel  laut quietschend nach oben. Staub, der sich über Jahrzehnte dort abgelagert hat, wird aufgewirbelt und bildet eine im Mondlicht schillernde Wolke. Diese rieselt glitzernd wie Feenstaub auf die Dielen des Dachbodens herab und macht ein leise sirrendes Geräusch. Nacheinander klettern  Kasperpuppen aus der Truhe. Mehr oder weniger hart landen sie auf dem Dielenboden. Gretl, die Frau vom Kasper, landet unsanft auf ihrem Po und reibt sich den Rücken. Da ist er wieder, ihr Bandscheibenvorfall. Jetzt steigt der Teufel aus der Truhe. Sein Auftritt ist wie immer spektakulär. Der schwarze Buschelschwanz ist schon sehr zerfranst und die Hörner, die früher mal rot waren, haben keine Farbe mehr. Seine Angewohnheit, immer mit beiden Händen daran zu reiben, wenn er nachdenkt, hat ihren Teil dazu beigetragen. In letzter Zeit tut er das immer öfter, was sehr bedenklich ist. Das alte Krokodil Nepomuk mit dem klappernden Holzkopf, das ehemals in seiner Rolle als Ersatzdrache  berühmt geworden war, erteilt Anweisungen. Hastig blättert es in einem kleinen Buch und erklärt: „Wir proben heute die Kriminalgeschichte „Einhorn, bitte melde dich!“  Das Einhorn spiele ich, ein passendes Horn werde ich hier oben schon finden. Prinzessin  Zeraphina  spielt die Großmutter. Die Jüngste ist sie ja nicht mehr.“  Zeraphinas Gesicht wechselt die Farbe zu dunkelrot. Sie stemmt die Hände in die Hüften: “Das ist eine Frechheit Kasper“ prustet sie. Doch er schwelgt weiter in Erinnerungen: „Endlich wieder auf der Bühne, haha, erinnert ihr euch noch als wir einen Silvesterböller  in einem Bühnenstück als Feuerwerk verwenden wollten? Das ging schief und RRRABUM, flog damals das ganze Kasperletheater in die Luft. Gottseidank ist niemandem etwas passiert.“

 

„RRRABUM“, ein lauter Knall vor meinem Schlafzimmerfenster. Erschrocken schlage ich meine Augen auf und bin sofort hellwach. Ich sortiere erst einmal meine Gedanken: „Ach ja, heute ist Silvester und  Kinder haben vor meinem Fenster einen Silvesterböller gezündet.“

 

 Aber, was war das für ein schöner Traum! Ich sehe mein altes Kaspertheater direkt vor mir. Wie gern habe ich mir als Kind Geschichten ausgedacht und kleine Drehbücher für die Aufführungen geschrieben. Damals war ich 10 Jahre alt. Gern hätte ich Theater zu meinem Beruf gemacht, aber es kam ganz anders und ich studierte Maschinenbau. „Damit kannst du deinen Lebensunterhalt verdienen“, meinte mein Vater und Recht hatte er, auch wenn ich das damals anders sah. Die Zeit ist vergangen, Job und Kindererziehung sind Geschichte. Heute bin ich Oma und im Ruhestand. Das ist der ideale Zeitpunkt etwas Neues zu beginnen. Heute ist Silvester, genau der Tag, an dem man Zukunftspläne schmiedet. Ich wünsche mir, dass aus meinem Hobby Berufung wird.